Erfahrungsbericht von Marina Mayr über das Deutsche Olympische Jugendlager 2018

 

Ein Einblick in das Leben von koreanischen Jugendlichen

Während meines Aufenthaltes in Asien konnte ich einen umfangreichen Einblick in das Leben von einheimischen Jugendlichen erhalten. Zum Beispiel habe ich den Alltag meiner Gastfamilie in Gangneung miterlebt und festgestellt, dass in Südkorea einiges anders ist als in Deutschland. Die Jugendlichen dort besuchen zum großen Teil täglich von acht Uhr bis vier Uhr den Unterricht und treffen sich anschließend zu Lerngemeinschaften oder besuchen den Nachhilfeunterricht, wobei beides bis um zehn Uhr abends dauert. Danach gehen die Jugendlichen nach Hause und machen dort noch ihre Hausaufgaben.

Um noch mehr von Südkorea zu erfahren, haben wir mit den Schülern des Goethe-Institutes Seoul besichtigt. Die einheimischen Jugendlichen zeigten uns die koreanische Tracht „hanbok“, die meiner Meinung nach sehr schön und bunt ist. Sie besuchten mit uns den N-Seoul Tower, der vergleichbar ist mit dem Olympiaturm in München. Von dort aus kann man ganz Seoul überschauen. Auch brachten uns das koreanische Essen näher. Vor allem bemühten sie sich, unsrer Gruppe das Essen mit Stäbchen beizubringen.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Menschen in Südkorea sehr gastfreundlich, fürsorglich und unglaublich hilfsbereit sind. Auch haben mir meine Gasteltern den einen oder anderen Fauxpas verziehen. Beispielsweise reichte ich ihnen bei der Begrüßung die Hand, statt mich zu verbeugen, was einen großen Unterschied zu Deutschland darstellt.

Politik war ein großes Thema

Um zu verstehen, warum in Korea Traditionen und Sitten anders sind als bei uns, haben wir viele Workshops veranstaltet. Es wurden unter anderem Themen wie K-Pop (südkoreanische Popmusik) und das Neujahrsfest, das am 15.Februar gefeiert wurde, behandelt.

Wir wurden von Angestellten der Deutschen Botschaft besucht und auch von einigen deutschen Politikern empfangen, unter anderem von Bundespräsident Steinmeier und seiner Frau.

Ein großes Thema auf unserer Reise war der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea. Um ein fundiertes Wissen zu diesen Spannungen zu erhalten, erklärte uns Stabsfeldwebel Scherfling vom Militärattachéstab aus Seoul, wie es dazu kam und welche Länder dabei beteiligt sind.

Mit diesem Grundwissen fuhren wir am vorletzten Tag unseres Aufenthaltes zur Demilitarisierten Zone (DMZ). Mit dem Bewusstsein, dass die Grenzregion strengstens überwacht wird und es jederzeit zu Auseinandersetzungen kommen kann, besichtigten wir die „bridge of no return“ und das Lager Bonifas.

Bei letzterem handelt es sich um einen Militärposten der Vereinten Nationen. Im Lager ist auch ein Museum untergebracht, in dem man die Geschichte des Lagers und die Kleidung und Ausrüstung der Soldaten betrachten kann.

Innerhalb der DMZ fühlte ich mich immer eingeengt und beobachtet. Es war eine sehr respekteinflößende Umgebung, in der wir uns bewegten. Jedoch stand unsere Sicherheit immer im Mittelpunkt. So war es genau geplant, wie lange wir uns in den blauen Bungalows aufhalten durften und wir hatten genaue Anweisungen, wie wir uns im Notfall zu verhalten haben.

 

Unser Programm war sportlich

Im Deutschen Haus hingegen herrschte immer lockere Stimmung. Hier empfingen wir Gäste wie Laura Ludwig, Olympiasiegerin 2016 im Beachvolleyball, und Lena Gerke, eine sehr bekanntes Topmodel, die auch als Moderatorin arbeitet. Die beiden besuchten uns als adidas-Markenbotschafterinnen. Ihnen konnten wir ganz ungezwungen Fragen zum Thema Olympia und zum Beruf eines Models stellen. Besonders hat mich beeindruckt, als Laura Ludwig erzählte, wie sie es schaffte, bei den Olympischen Spielen in Rio beim Finale gegen die brasilianische Mannschaft die Buh-Rufe und Pfiffe der Zuschauer auszublenden und sich stattdessen nur auf den Sand unter ihren Füßen und auf das Spiel zu konzentrieren.

Sie gab uns den Rat, so viele Stadien und Plätze der Olympischen Spiele wie nur möglich aufzusuchen. So waren wir beispielsweise im Deutschen Haus, im Olympischen Dorf und am Olympic Plaza. Besonders gut gefallen haben mir die Sportstätten in Gangneung, wo wir einige Wettbewerbe live verfolgen konnten. Dort fanden die Wettkämpfe in den Disziplinen Eiskunst- und Eisschnelllauf, Short Track (eine Variante des Eisschnelllaufs), Curling und Eishockey statt.

Auf meiner Liste der Wettkämpfe, die ich unbedingt sehen wollte, war Eishockey ganz oben. Ich habe ein tolles Vorrundenspiel gesehen und mit den anderen Teilnehmern einen tollen Tag verbracht. Das lag zum einen daran, dass wir mit unserer einheitlichen Kleidung natürlich immer aufgefallen sind, zum anderen daran, dass wir die Athleten immer lautstark angefeuert haben, dadurch konnte uns das Publikum nicht überhören.

Ich habe mir auch Rodeln ausgesucht, wovon ich zuvor keine Ahnung hatte. Die anderen Teilnehmer, die teilweise selbst Rodeln oder Skeleton fahren, klärten mich

darüber auf, dass die Athleten vier Runden fahren müssen und wie man den Schlitten lenkt.

Es war eine schöne Erfahrung, sich so ungezwungen über den Sport austauschen zu können.

 

Durch den Sport Brücken bauen

Dies möchte ich zuhause ebenfalls beibehalten, darum werde ich mich auch weiterhin in meinem Gau engagieren und mit neugewonnener Motivation mein Amt als Jugendleiterin fortsetzen.

Diese Reise hat mich begeistert und mir gezeigt, was man durch den Sport erreichen kann. Dazu zählt auch das Kennenlernen von neuen Leuten. Neben der Gruppe des Deutschen Olympischen Jugendlagers konnte ich mit vielen Einheimischen und Touristen sprechen. Dabei wird mir noch lange die BBC-Reporterin im Gedächtnis bleiben, neben der ich im Zug gesessen habe. Die junge Frau lebt in New York City und konnte es sich nicht vorstellen, wie es ist, auf dem Land in einem Ort mit 30 Einwohnern zu leben, wie es bei mir der Fall ist.

Meiner Ansicht nach ist das Schönste an den Olympischen Spielen genau das. Man trifft Menschen aus der ganzen Welt, die die Leidenschaft zum Sport, getreu dem diesjährigen Motto „Passion. Connected.“, verbindet.

 

Bericht von Marina Mayr